more
Leave a Comment

1913

Über die besten Bücher stolpert man einfach so per Zufall, plötzlich sind sie da. Inzwischen ist es bei mir eine Art Tradition am Flughafen, kurz vor dem Abflug, noch ein Buch zu kaufen. Die Auswahl ist meistens viel kleiner als in den großen Buchhandlungen und trotzdem habe ich einige der besten Bücher am Flughafen gefunden. In diesem besonderen Fall habe ich das Buch nicht selbst gekauft, sondern es wurde mir am Flughafen geschenkt.

Der 1. Weltkrieg ist aufgrund des 100-jährigen Jubiläums allgegenwärtig: Bücher, Filme, Zeitungsartikel, die Liste lässt sich beliebig erweitern. Aber was passierte im Jahr vor Ausbruch des Krieges? Sozusagen während der ‘Ruhe vor dem Sturm’? Genau darum geht es in Florian Illies “1913: Der Sommer des Jahrhunderts”. Auf interessante Weise bekommt der Leser einen kleinen Crashkurs in der Geschichte einiger der größten Intellektuellen der damaligen Zeit. Zeitgenössische Berühmtheiten, wie zum Beispiel die Brüder Thomas und Heinrich Mann, Pablo Picasso oder auch Sigmund Freud gehen ihrem alltäglichen Leben nach, inklusive aller Höhen und Tiefen. Die einzelnen Monate bilden die Kapitel des Sachbuches. Der Reiz des Buches liegt darin, dass ein bestimmter Zeitpunkt in der Geschichte herausgepickt wird und man sieht, welche Lebenswege sich berühren, überschneiden oder nebeneinander herlaufen, ohne dass den Personen das damals bewusst war. Geschichte erkennt man erst im Rückblick, der Leser weiß meist mehr als deutlich wird, manchmal weist Florian Illies auf weitere Entwicklungen in der Zukunft hin. Es macht gerade Spaß das Buch zu lesen, weil man mehr weiß, weil man immer wieder überrascht davon wird, wer wen beeinflusst hat. Geschichte macht selten mehr Spaß und “1913: Der Sommer des Jahrhunderts” ist auch für Leser zu empfehlen, die bisher noch kein großes Interesse an Geschichte hatten. Meine Urgroßmutter wurde 1901 im damaligen Schlesien geboren, ihr Heimatdorf war stark von der Landwirtschaft beeinflusst. Selma, 1913 gerade 12 Jahre alt, verbrachte ‘den Sommer des Jahrhunderts’ wohl spielend auf einem der Höfe, oder sie half ihrer Mutter bei der täglichen Hausarbeit. Nach getaner Arbeit aß die Familie dann ‘Schlitschgen’. Ein Essen, das sich in meiner Familie bis heute großer Beliebtheit erfreut. Als ich bei Google nach der richtigen Schreibweise von ‘Schlitschgen’ suchte, wurden mir genau sieben Treffer angezeigt. Sieben! Normalerweise kann man bei Google tausende von Seiten nach einem Suchergebnis durchforschen. Schlitschgen sind im Prinzip kleine Knödeln, die mit zerlassener Butter und Zucker serviert werden, aber man kann auch Fleisch und Bratensoße dazu kombinieren. Lasst uns das Rezept ein kleines bisschen bekannter machen, denn es ist wirklich einfach und schmeckt super lecker!

Schlitschgen

PicsArt_167568.3995407083

Zutaten für 4 Personen:

1,5 kg Kartoffeln
– 350 g Kartoffelmehl
– 350g Mehl
– 1 Kaffeelöffel Salz
– ca. 125g Butter
– Zucker
(stellt einfach den Zuckerstreuer auf den Tisch,
dann kann sich jeder so viel nehmen, wie er/sie möchte)

PicsArt_167825.12752575

Die Kartoffeln werden gekocht, geschält und anschließend durch eine Kartoffelpresse gedrückt. Vermischt das Kartoffelmehl mit dem Mehl und bedeckt damit die Masse. Ihr könnt den Teig über Nacht gekühlt stehen lassen oder ihn sofort verarbeiten. Knetet die Masse so lange bis ein fester Teig entsteht und gebt das Salz hinzu. Anschließend wird der Teig in kleine Portionen unterteilt, aus denen ihr dünne Schlangen formt. Diese werden dann in fingerdicke Stücke geschnitten. Bringt einen Topf mit Salzwasser zum Kochen und gebt die kleinen Stücke hinein bis sie wieder oben schwimmen. Nehmt sie mit einem Sieb heraus und serviert sie am Besten heiß. Die Butter wird in einem kleinen Topf geschmolzen bis sie braun wird, den Bräunegrad kann jeder nach Belieben wählen. Bei uns gilt: Je dunkler, je besser. Der Topf mit der Butter kommt neben den Zuckerstreuer auf den Tisch und jeder kann sich die Butter und den Zucker selbst über seine Schlitschgen geben. Nicht gerade ein Diätessen, aber unglaublich lecker. Lasst es euch schmecken!

Florian Illies: 1913: Der Sommer des Jahrhunderts
ISBN: 978-3-10-036801-0

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s